Physiologisches Reiten

Ihr Pferd wird es Ihnen danken!



Physiologisches Reiten? Physiologisch trainieren heißt: vom Körper ausgehend trainieren. Betrachten wir, bevor wir uns auf das Pferd setzen, einmal dessen Körper, dann stellen wir fest, dass das Pferd von Natur aus eine starke Abwärtshaltung aufweist. Die Beckenstellung steht auf Schubkraft, um blitzschnell flüchten zu können. Von Natur aus ist das Pferd nicht zum Tragen geschaffen und schon gar nicht dazu einen Reiter zu tragen. Deshalb kann "die Natur des Pferdes" auch nicht zum Reiten benutzt werden. Es sei denn, wir wollen abwärtsgehende Fluchttiere reiten und uns somit in die Gefahr begeben, nicht zu wissen, wann, wohin und wie lange das Pferd jederzeit flüchten kann. Niemand würde mit einem ungebremsten Fahrrad, einen Berg hinunter fahren, aber ein Pferd glauben die Menschen am Zügel halten zu können. 70kg gegen 600kg, wer wird wohl den Kampf gewinnen? Als wir begonnen haben zu reiten, wollten wir da Kampfsport? Oder wollten wir uns gemeinsam mit dem Partner Pferd sportlich betätigen?

Deshalb lautet der Ansatz beim physiologischen Reiten: immer mit dem Pferd mitgehen, mit dem Muskelverlauf reiten.

Viele Reiter wollen ja gemeinsam mit dem Pferd arbeiten aber nur mit Mitgehen gelingt ihnen keine Versammlung. Beim Versuch das Pferd an den Zügel zu stellen, bremsen sie die Vorwärtsbewegung ab und müssen nun mit pressendem Schenkel gegen die Hand treiben. Dabei treten 70 Prozent aller Pferde mit den Hinterbeinen weiter unter. Das Pferd trägt auf diese Weise mehr über die Sprunggelenke. Das führt zu erhöhtem Verschleiß in den Sprunggelenken. Das Becken ist weiterhin nach vorn abwärts gekippt und überdehnt nun die Bänder im Kreuz-Darmbeinbereich, der dadurch instabil wird. Der 90° Winkel zwischen der Hinterbeinlinie und der Rückenlinie wird unterschritten, dadurch kann das Pferd den Rücken nicht in den Bewegungsablauf einschalten. Somit ist jegliche Rückenbewegung negativ. Er schwingt nur noch lose hoch und runter. Die Schubübertragung fehlt, die nötige Körperspannung fehlt und somit fehlt auch das Reinlaufen in die Hand. Die Pferde die sich dennoch strecken, tun dies nach vorne wie nach hinten und schieben das Becken noch weiter nach hinten aufwärts. Erreicht werden sollte aber eigentlich das Absenken der Kruppe. Die restlichen 30 Prozent aller Pferde, bei denen, das mit den Hinterbeinen so nicht funktioniert, entziehen sich durch rennen, bocken oder steigen; auch rückwärts gehen ist möglich oder ganz einfaches Faulsein oder blockieren.

Die Ausbildung über den Rücken ist viel komplexer und individueller, als gemeinhin angenommen. Im Physiologischen Training erfolgt eine tatsächliche Dehnung der Oberlinie durch anfängliche Längsdehnung und späterer Aufdehnung.

Bei einem über die Hand aufgerichteten und im Hals eng gezogenen Pferd wird durch die Verkürzung der Oberlinie ein stärkerer Raumgriff erzielt. Pferde, die so ausgebildet sind, treten je nach Beckenstellung, entweder nach vorne und nach hinten heraus oder unter dem Körper durch. Der Rücken wird in jedem Fall ausgeschaltet. Nur der 90° Winkel zwischen Hinterbein- und Rückenlinie bringt die Voraussetzung über den Rücken zu arbeiten. "Durchs Genick gehen" ist nicht das entscheidende Merkmal dafür, ob das Pferd über den Rücken geht. Die Aufrichtung gibt Aufschluss darüber. Solange die Rückenlinie von hinten nach vorne abwärts zeigt, können wir nicht von einer Aufrichtung sprechen. Das Pferd nimmt die Kopf- und Halshaltung ein, die seine Körperhaltung ihm vorgibt. Wobei die Halsform nur zweitrangige Bedeutung hat. Es ist völlig unerheblich, ob das Pferd in der Versammlung durchs Genick gehen kann. Das Drehen des Beckens in die aufrechte Stellung, das Setzen in den Hanken (Hüft- und Kniegelenke), sowie das Anziehen und Strecken der Wirbelsäule und des Rücken-Nackenbandes, sind die entscheidenden Merkmale. Der Nacken drückt raus und damit schließt sich der Axthieb (Kerbe vor dem Widerrist).

Zusammenfassend können wir sagen, Versammlung ist die Gesamtheit der Bewegungen, die dazu nötig sind das Becken aufzurichten, das Hinterbein ins Lot zustellen und den aufgewölbten Rücken aufwärts zu strecken, bis hin zum Genick über Nacken und Hals. Deshalb ist ein Pferd, das aufgerichtet tragen kann leicht in der Hand aber nicht eng im Hals. So ein Pferd geht in einer positiven Selbsthaltung.

Selbsthaltung besitzt auch ein Pferd, das dem Reiter mit Kopf und Hals entgegenkommt. Es ist dabei auch leicht in der Hand, aber aus einem anderen Grund. Das Becken ist weggekippt, das Hinterbein ist nicht im Lot, die Rückenlinie zeigt abwärts in Richtung Widerrist, das Nackenband spannt nicht durch, sondern fällt durch, der Rücken schwingt losgelassen auf- und ab. Das alles hat nichts mit Versammlung zu tun.

Lektionen dienen nicht reinem Selbstzweck, sondern haben ausschließlich einen gymnastischen Wert.
In der physiologischen Reitweise dienen Lektionen dazu die Körperhaltung des Pferdes zu verbessern. Sie werden nicht um ihrer Selbst willen geritten.
© Karen Eisenhauer

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